[Wärmflaschen aus Bunzlauer Keramik]

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[Veröffentlicht von] [guenhol]
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Während meiner langjährigen Sammlertätigkeit war ich immer wieder fasziniert von den vielfältigen Formen, Modellen und den vielen unterschiedlichen Materialien aus denen Wärmespender hergestellt wurden.
Vor allem aber von den scheinbar bauartbedingten unterschiedlichen Methoden die angewendet wurden um die Wärmesteine "aufzuladen", Wärmflaschen mittels heißem Wasser zu erwärmen oder die noch aufwendigere und z.T. auch gefährlichere Methode Wärme- oder Glutpfannen mittels glühender Holzkohle zur Wärmeerzeugung zu verwenden.
Mittlerweile darf als sicher angenommen werden, das sich die Modelle und Formen die mit der Enstehung der Handwerksberufe durch die Handwerker, in diesem Falle durch die Töpfer, an die in der Steinzeit entdeckten Urformen anlehnten.
Es gibt einige Wärmflaschen-Modelle die von der über Jahrhunderte hinweg verwendeten Urform deutlich abweichen. Erkennbar ist daraus, das die damaligen Handwerker sich in ihrem Metier auskannten und ohne physikalische oder sonstige Grunkenntnisse durchaus in der Lage waren ihre Produkte weiter zu entwickeln.
Über diese Entwicklungsphase des Handwerks gibt es keine Erkenntnisse.
Obwohl für die Zeit vor der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jhdt. durch J. Gutenberg keine schriftlichen Aufzeichnungen über Wärmflaschen vorliegen kann davon ausgegangen werden, das nach Erfindung der langsam drehenden  Töpferscheibe, etwa 6000 v.Chr. Tonflaschen von zylindrischer Form damit hergestellt wurden. Diese wurden sicherlich nicht nur zur Aufbewahrung und Transport von Flüssigkeiten benutzt, wie man es von den Amphoren kannte die schon in der Antike als Speicher- und Transportgefäß verwendet wurden, sondern wohl auch als "Wärmflasche" genutzt.
Bedingt durch die zylindrische Form und damals noch unbekannter Verschlußtechnik hatte die Tonflasche den großen Nachteil  das sie bei ihrer Verwendung als Bett-Wärmflasche nicht nur durchs Bett rollte, sondern bedingt durch den durch das eingefüllte heiße Wasser und den dabei auftretenden Innendruck undicht wurde.
Über die damals verwendeten Flaschenverschlüsse liegen keine Informationen vor, vermutet werden kann jedoch, das ab dem 2. Jhdt. n. Chr. Verschlüsse aus Kork verwendet wurden. das bedeutet jedoch nicht das damit die Flaschen wirklich abgedichtet werden konnten. Meistens wurde ein mit einem Leinenläppchen umwickelter Holzpflock oder ein zu einem Pfropfen geformtes Lederläppchen als Flaschenverschuß verwendet.
Erst mit der Erfindung des Bügelverschlusses (1875) konnten Ton- und Glasflaschen zuverlässig abgedichtet werden.


Eine von den Urformen abweichende Form wurde erst vor kurzer Zeit "entdeckt" - insofern, da bisher über die volkskundliche Bedeutung der Wärmflaschen aus Bunzlauer Keramik nichts bekannt war.
Die ungewöhnliche Form dieser, auch in meiner Sammlung vorhandenen Wärmflasche, hat mich veranlasst die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte zu erforschen. Ich erinnerte mich daran, das beim Besuch des Sammlerfreundes Rudolf Hansch vor einigen Jahren, Hansch besitzt m.W. mit über 350 Exponaten die wohl größte (private) Wärmflaschensammlung, ich dort einige Exponate der mir als "Bunzlauer Keramik" bekannten Wärmflaschen gesehen hatte. Es stellte sich sogar heraus, das Hansch nicht nur Wärmflaschen aus Bunzlauer Keramik besaß, sondern eine Vielzahl von weiterem Gebrauchsgeschirr aus Braunware. Zu meinem Erstaunen berichtete er mir, das er gebürtiger Bunzlauer sei und daraus sein besonderes Interesse herrühre. Damit nicht genug, verwies er auf Literatur

Die Bunzlauer-Keramik-Wärmflasche ist eine halbkugelförmige Wärmflaschen aus glasierter, brauner Keramik mit einer am Ausguss befestigten Trageöse. Die Ausgussöffnung wird mit einem Korken oder, wie es früher üblich war mit einem, mit einem Leinenlappen umwickelten geschnitzten Holzpflock verschlossen. Auch wurde ein aus einem Lederlappen hergestellter Pfropfen verwendet.
Irgendwo hatte ich gehört, das es sich bei dieser ungewöhnlichen Form um Wärmflaschen aus Bunzlauer Keramik handeln soll.
Die Bestätigung wurde im Bestandskatalog des Germanischen Nationalmuseums: Bunzlauer Keramik im Germanischen Nationalmuseum [1] , gefunden.
In der aus 635 Exponaten bestehenden Sammlung Bunzlauer Keramik befindet sich nur eine Wärmflasche.

Wfl


31 Wärmflasche
Anonym, Deutschland, 1. Hälfte 20. Jh.
Hochgebrannte Irdenware, freigedreht, Flachboden mit mittelfeinen
schlaufenförmigen Abschneidespuren von der langsam laufenden
Scheibe, schulterständiger Bandhenkel gezogen und angarniert,
H. 140 mm, Dm. 227 mm.





Dekor: innen und außen schokoladenbraune mattglänzende Lehmglasur; Boden unglasiert.
Dunkelbeigefarbener Scherben, wenig mittelgrobe Magerungsanteile (Quarz) erkennbar.
Lit.: Späth 1985, S. 79 Abb. 21. Inv. Nr. Ke 391/11405

U.a wird in der Einleitung erwähnt:
"Deshalb kann man beim gegenwärtigen Kenntnis- und Forschungsstand von einer als Typus beschreibbaren, eigenständigen "Bunzlauer Keramik" erst ab Beginn des 17. Jahrhunderts sprechen. Seit dieser Zeit wird - allerdings mit einem Traditionsbruch 1945 - bis heute in Bunzlau/Boleslaviec Keramik produziert. Damit ist die zeitliche Dimension bestimmt, die sich - zumindest partiell - auch an den Beständen des Germanischen Nationalmuseums manifestiert."


Quellenhinweis:

Bedwarmers Puzzle & Answers (Waterpig)

Kristine Späth: Töpferei in Schlesien,
Bunzlau und Umgebung
SILESIA Folge 23
Publikationen der Stiftung Kulturwerk Schlesien
Begründet von Alfons Hayduk
Herausgegeben von Eberhard G. Schulz,
Dieser Band wurde vom Herausgeber redaktionell bearbeitet
Das Layout besorgte Sonia Burghart
2.Auflage 1981,  1979 by Kristine Späth
Delp`sche Verlagsbuchhandlung KG, München 40
Delp-Druck, Bad Windheim
ISBN 3-7689-0172-6

[1] Konrad Spindler: Bunzlauer Keramik im Germanischen Nationalmuseum,
Bestandskatalog. Der Band erschien zur Ausstellung "Guter Ton aus Bunzlau - Bunzlauer Geschirr im  Germanischen Nationalmuseum" (30. Sept. 2004 - 27. Febr. 2005), Verlag des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg 2004, ISBN 3-936688-03-6


Der Bunzlauer Kreis an Bober und Queis, Ein Heimatbuch,
2. völlig neu bearbeitete Auflage 1964 (512 S.)
Oberstudienrat Dr. Zobel †, bearbeitet von Karl Springer,
Hrsg: Bundesheimatgruppe Bunzlau in Siegburg,
Grenzland-Druckerei Rock & Co., Groß Denkte/Wolfenbüttel

Weitere Fundstellen:

Weitere Quellen die Aussagen zur die Geschichte nur sehr lückenhaft und unvollständig widergeben, dennoch lesenswert.

Geschichte der Bunzlauer Keramikfabrik in Niederschlesien
Das Keramikmuseum in Boleslaviec (ehem. Bunzlau)
Oberlausitzer Keramik
Deutsches Museum; Geschichte der Keramik
Königlich Keramische Fachschule Bunzlau
Bunzlauer Geschichte
Bunzlauer Braunzeug
Original Bunzlau, Sammlermagazin
Wikipedia: Keramik 
Tolkemiter Keramik 

 

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