[Wärmesteine vom Hof König]

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[Veröffentlicht von] [guenhol]
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Im Zusammenhang mit den Ergebnissen aus den Nachforschungen zum Burgsteinfurter Wärmestein erhielt ich von der Heimatforscherin Frau Ingrid König Fotos von zwei runden Wärmesteinen die bei Aufräumungsarbeiten auf dem Dachboden ihres Hofes gefunden wurden.
Hof König wurde im Jahre 1932 erbaut. Frau König erinnert sich, das in der Küche des Hofes Terrazzoboden verlegt war, der beim Umbau in den 50er Jahren heraussgerissen und ersetzt wurde. Auch der Spülstein in der Küche sei aus Terrazzo gewesen, auch meint sie sich zu erinnern das noch irgendwo Reste von Terrazzo-Treppenstufen herumliegen.
Die beiden gefundenen runden Steine wurden an ihren Trageringen als Wärmesteine erkannt, wobei man zuerst vermutete sie seien aus Beton gefertigt.

                                             
Wärmestein, Terrazzo, 20. Jhdt.
D= 27,5 cm
H=   4,1 cm
Gew.: 4,5 Kg






Wärmestein

                       Wärmestein, Terrazzo, 20. Jhdt.
                       D= 23,7 cm,
                       H=   3,1 cm,
                       Gew.: 2,5 Kg



Die Auswertung der Bilder durch den hiesigen Steinmetz Detlef Lorei ergab jedoch eindeutig, das es sich nicht um Wärmesteine aus Beton handeln kann. Die Farbe und Körnung der Oberfläche deute eher darauf hin, das die Wärmesteine aus Terrazzo hergestellt sein könnten.

Die grobe Körnung auf der Unterseite läßt vermuten das die Wärmesteine in einer Form gegossen wurden und die Oberflächen, nicht wie bei Terrazzoböden üblich, geschliffen und poliert wurden.
Der Bruch im rechten, kleineren Wärmestein resultiert aus der "Rostsprengung" des eingelassenen Tragerings.

Um darüber mehr zu erfahren, empfahl er mir Kontakt aufzunehmen mit dem früher in Bocholt ansässigen Familienbetrieb Monasso, die seit 1915 im benachbarten niederländischen Aalten ansässig ist.
Fast zeitgleich erhielt ich von Frau König einen Hinweis über die Familiengeschichte der Monasso`s.
Aus der Historie geht hervor, das die Kundschaft sich über ganz Westfalen und die angernzende niederländische Region erstreckte. Sie stellten nicht nur Böden und Steintreppen her, vielgeschätzt waren auch Spülbecken und Futtertröge, die an Ort und Stelle auf den Höfen gegossen und dann in Küche, Milchkammer, Waschküche oder im Stall eingebaut wurden.
Es ist somit durchaus möglich, das die Wärmesteine Anfang des 20. Jhdts. vielleicht sogar auf dem Hof König, hergestellt worden sind.
Die Monassos waren jedoch nicht die einzigen Terrazzoleger die sich in Westfalen um die Jahrhundertwende eine Existenz aufbauten. In Bielefeld gründet ein Mann namens Luigi de Marko im Mai 1901 ein Terrazzogeschäft, im benachbarten Herford betreibt Antonio Corrado seit März 1903 das Steinhandwerk. In Bünde läßt sich im Oktober 1903 der Terrazzoleger Pedro d`Angelo nieder, in Minden 1905 Luigi Colussi, in Bad Oeynhausen 1912 Oswald Beacco.
Nicht auszuschließen ist, das einer dieser Terrazzi Hersteller der Wärmesteine gewesen sein kann.
Werde in der nächsten Zeit versuchen herauszufinden, ob es an den genannten Orten noch Nachfahren dieser Terrazzi gibt, die Auskunft darüber geben können, ob Wärmesteine damals zur Produktpalette gehörten.

Mittlerweile entdeckte Frau König eine weitere vielversprechende Spur, die zu dem in Burgsteinfurt ansässigen Terrazzoleger Aegidius Wisotzki führte. Der heute über 80 jährige hat das Geschäft von seinem Vater Franz übernommen.
Im Adressbuch von Burgsteinfurt 1951 findet man folgende Geschäftsanzeige:

TrrazzoWSTAus einem Eintrag im "abc der Deutschen Wirtschaft" geht
hervor, das Aegidius Wisotzki das Geschäft 1946 von
seinem Vater übernommen hat. Als Firmenanschrift ist die
Schützenstraße 83 in 48329 Havixbeck eingetragen,

lt. persönlicher Auskunft von Aegidius Wisotzki wurde das Geschäft Anfang der 1990er Jahre aufgegeben.
An die Herstellung von Bettsteinen wie er sie nannte, konnte er sich weder bei seinem Vater und auch nicht während seiner Tätigkeit als
"Lieferant bzw. Anbieter von Steinmetzprodukte und Natursteinprodukte" (lt. abc-Eintrag)
erinnern. Auch die Frage ob evtl. Bettsteine für gute Kunden, Nachbarn, Freunde und Bekannte, wie es z.B. bei den Steinmetzen in der Region der Fall gewesen ist, hergestellt worden sind, hat er verneint.
Er erwähnte jedoch, das man damals auch viele Kunden in den Niederlanden beliefert habe. Zudem bemerkte er noch, das sein Vater damals viele italienische Terrazzi beschäftigt habe.

Zu den von Gisbert Strotdrees in seinem Buch aufgeführetne Terrazzolegern aus Bielefeld, Herford, Bünde und Bad Qeynhausen führt noch eine Spur zum Historischen Museum in Bielefeld. Dort befindet sich ein "Konvolut des Terrazzolegers Luigi die Marco, der 1889 aus Italien nach Bielefeld einwanderte". Nachforschungen ergaben jedoch, das es sich bei dem Konvolut nur um Dokumente handelt und keinerlei Hinweise auf besondere Produkte, z.B. Wärmesteine oder Bettsteine enthalten sind.
Weitere Internetsuche nach den Terrazzolegern Antonio Corrado, Pedro d`Angelo, Luigi Colussi und Oswald Beacco waren erfolglos.

Auch wenn z.Z. nicht eindeutig belegt werden kann, ob und aus welchem Grund die Wärmesteine von Terrazzolegern hergestellt worden sind, die Spur also als erkaltet angesehen werden kann, wird die Spurensuche fortgesetzt - die Wärmesteine vom Hof König sind und bleiben ein eindeutiger Beweis - irgendein Terrazzi muss sie ja hergestellt haben!

Quellenverweise:
Fremde in Westfalen -Westfalen in der Fremde
Zur Geschichte der Ein- und Auswanderung von 1200 bis 1950
Gisbert Strotdrees, Landwirtschaftsverlag GmbH, Münster-Hiltrup, 1996,
S 77 - S 81: Der vergessene Italien-Import. Die Kunst der Terazzoleger
ISBN 3-7843-2788-5

Wikipedia: Gisbert Strotdrees   Wikipedia: Terrazzo  GenWiki: Terrazzoarbeiter
Homepage: MONASSO Industriële Toelevering B.V.

Het Monassoboek, Geschiedenis van de famlie in Nederland

[TEXT_http://koerper-waermespender.de/pages/spurensuche.php]