[Ein Wärmestein aus dem Münsterland]

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[Veröffentlicht von] [guenhol]
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 Wärmesteine, Relikte aus der Steinzeit?


Wer den heute 73jährigen Wärmespendersammler Günter Holtmann vor fünfzehn oder zwanzig Jahren gefragt hätte, wer die früher von den Menschen benutzten Wärmesteine wohl entdeckt haben könnte, wäre mit einem hilflosen Achselzucken bedacht worden, bestenfalls mit der Bemerkung: Das weiß bisher wohl noch keiner!

Mittlerweile ist die bis zur Jahrtausendwende noch völlig unbekannten Geschichte der Wärmespender dank Holtmanns langjährigen Recherchen etwas aufgehellt aber bei weitem noch nicht vollständig erforscht.
Die wärmespeichernde Wirkung bestimmter Steine dürfte schon in der Steinzeit entdeckt worden sein. Die Menschen damals waren Jäger und Sammler, die in und ausschließlich von der Natur lebten und bei ihren Streifzügen werden sie sich ihre nackten Füße an den herumliegenden, durch die Sonne erwärmten Steinen verbrannt haben, wenn sie im Sommer bei der Jagd durch die Flussniederungen der Urstromtäler zogen.
In der kalten Jahreszeit erkannten sie, bestimmt, dass die Steine mit denen sie ihre offenen Feuerstellen einfassten, die Wärme des Feuers speicherten und das sie dazu nur bestimmte (quarzhaltige) Gesteinsarten verwendet werden konnten.
Um nun diese erwärmten Steine bewegen bzw. transportieren zu können z.B. um sich in einer kuscheligen Ecke der Höhle oder der Behausung daran erwärmen zu können, durften die zu diesem Zweck gesammelten Steine eine bestimmte Größe bzw. Gewicht nicht überschreiten, da damals die sehr kleinwüchsigen Steinzeitmenschen weder Bearbeitungswerkzeuge noch Transportgeräte kannten.
Die ovale, an zwei Seiten abgeflachte Form dürfte als besonders zweckmäßig ausgewählt worden sein, da durch die Abflachung der Wärmestein an der platzierten Stelle verblieb und man z.B an der Oberseite die Füße aufstellen konnte. Dabei blieb es wohl nicht ausschließlich bei diesen Formen, auch andere passende, vom Gewicht und Volumen tragbare Formen wie zylindrische, scheibenförmige oder vierkantige Formen fanden Verwendung.
Diese natürlichen Wärmesteine wurden, neben den in der Eisen- und Bronzezeit „erfundenen“ Feuertöpfe bis zum Mittelalter ausschließlich verwendet, da handwerkliche Berufe sich erst später im Mittelalter entwickelten. Die meisten Menschen im Mittelalter waren handwerklich begabt. Da sich aber kaum ein Bauer teure Geräte zur Verarbeitung von schwierigen Materialien leisten konnte, bestanden die meisten Gegenstände aus Holz, wo nötig aus Metall.
Erst im Spätmittelalter, mit dem Aufkommen und Etablierung größerer Städte, mit dem vermehrten Reichtum, den Modeerscheinungen und den daraus resultierenden gestiegenen Bedürfnissen der Menschen, entstanden speziellere Berufe. Töpfer, Glasmacher, Goldschläger, Zinngießer, Kupferschmiede u.s.w. boten ihre Dienste an.
Noch heute ist an den Formen erkennbar, das die im Mittelalter von Handwerkern hergestellten Wärmflaschen aus Metall oder anderen Materialien auf die Urform der Wärmesteine zurück zu führen sind.
Die natürlichen Wärmesteine, deren Funde durch die Besiedelung stark abgenommen haben, wurden vereinzelt noch bis ins 20. Jhdt. auf dem Lande, vorwiegend bei der Feldbearbeitung gefunden.
Um meine vorstehend aufgeführten Thesen zu untermauern, möchte ich über zwei interessante Funde aus dem Münsterland und vom Niederrhein berichten.
Vor einiger Zeit erhielt ich von einem guten Bekannten aus dem Münsterland einen Hinweis, nachdem ich ihn vorher gebeten hatte mir bei der Suche nach alten Wärmesteinen behilflich zu sein, das er so einen uralten Wärmestein beim Besuch auf dem Hof eines Jagdkollegen gesehen habe.
Dieser hatte den Wärmestein von der Schwiegermutter bekommen, die ihn etwa Ende 1800 oder Anfang 1900 beim pflügen gefunden hatte und, wie damals üblich, mit nach Hause genommen hat, wo der Wärmestein als Bettwärmer viele Jahre verwendet wurde.
Heute genießt der alte Wärmestein, von den Kindern des Besitzer liebevoll verschönert, damit er nicht aus versehen weggeworfen wird, auf der Fensterbank des Wohnzimmers sein „Gnadenbrot“.
 
 
 
 
 
Draufsicht
Untersicht
Seitensicht

Gefunden wurde dieser Wärmestein im Bereich der Düstermühle bei Legden im Münsterland.
Nach Aussagen des Fachmanns, einem bekannten Steinmetz, handelt es sich um einen Sandstein, wobei die bräunliche Farbe auf einen hohen Anteil von Eisen hinweist.

 
Die Form des Steins deutet darauf hin, das es sich um s.g. Lesesteine, nicht um Bruchsteine handelt, die aus Gesteinsbruchstücken entstanden. Die Bruchstücke sind eckig und kantig und werden beim Transport durch Flüsse oder im Meer rundgeschliffen. Das kann sehr lange dauern; Tausende von Jahren, in denen der Stein immer wieder mit anderen zusammenstößt oder vom Wasser über den Grund gerollt wird. Durch diesen Abrieb wird der Stein rundgeschliffen.
Der Wärmestein dürfte in der Eiszeit im Urstromtal zwischen Dinkel und dem Asbecker Mühlenbach angespült worden sein und hat dann Anfang 20. Jhdt. „das Licht der Welt erblickt“


Der extreme Rückgang von Funden „natürlicher„ Wärmesteine ist nicht nur darauf zurückzuführen das bei den Bauern des 20. Jhdts. das Wissen um die wärmespeichernde Wirkung der auf ihren Feldern zu findenden Steine verloren gegangen ist und sie sich schon handwerklich gefertigte Wärmflaschen finanziell leisten konnten.
Den größten Einfluss hat die Technisierung in der Landwirtschaft nach dem II. Weltkrieg und der damit verbundene Einsatz von technisch komplizierten und hochwertigen Maschinen und Geräten mit sich gebracht. Der Einsatz dieser Maschinen machte erforderlich, selbst kleinste landwirtschaftlich genutzte Flächen, nachhaltig von Steinen und Geröll zu reinigen.
Ein weiterer Grund für das ausbleiben dieser Steinfunde ist der, besonders im vorigen Jahrhundert, intensivierte Hochwasserschutz und die dadurch bedingten Deichbaumaßnahmen, die die Überflutung von landwirtschaftlichen Flächen verhindern.
Für den Historiker ist somit der vorstehende Fund von besonderer Bedeutung um die Geschichte der natürlichen Wärmesteine zu vervollständigen!
Um den erwähnten Zeitpunkt des Wärmesteinfundes, Anfang 1900, weiter abzusichern, sind weiter Recherchen bzgl. etwaiger Überschwemmungen oder Hochwasser im Bereich der Dinkel und dem Mühlenbach erforderlich, die bereits eingeleitet wurden. (Erst.:20.09.2013)
 

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