[Ein Wärmestein aus Burgsteinfurt]

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[Veröffentlicht von] [guenhol]
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Bei meinen Forschungen zur Geschichte der Wärmesteine wurde ich auf das Foto eines Wärmesteins aus Burgsteinfurt aufmerksam gemacht, welches sich im Fotoarchiv des Heimatvereins Vreden befindet und 1970 von Anton Essling, Vreden, (2011) aufgenommen wurde.
 
 
  Er enthält die sehr kunstvoll verzierte und ringförmig,
  teilweise in Blattornamenten, angebrachte
  Gravur: 19.1.1898 FINA ELBERS,

  D= 23,5 cm, H= 6,0 cm,

  Material: Wesersandstein




Obwohl auf dem schwarz/weiß-Foto nicht eindeutig zu erkennen, dürfte es sich um einen handwerklich bzw. künstlerisch bearbeiteten Sandstein handeln, der aus Steinbrüchen der Umgebung stammen dürfte.
Durch intensive Unterstützung mehrerer Mitglieder des Heimatverein Burgsteinfurt wurde nicht nur der Wärmestein im dortigen Museum gefunden, sondern auch weitere interessante Daten zu diesem sehr seltenen, aus Naturstein gefertigten Wärmestein ans Tageslicht gebracht.

Beginnen wir mit den eingravierten Personendaten der FINA ELBERS
Maria Josefine (genannt Fina) wurde als 13tes und jüngstes Kind der Eheleute Hermann Heinrich Elbers
(* 3.11.1821, † unbek.) und seiner Ehefrau Maria Anna geb. Hueging (*1.4.1828, † 28.8.1913) am 3.4.1874 geboren.

Sie war verheiratet mit Bernhard Anton Waterkamp (*4.7.1867, † 17.4.1935).
Die Hochzeit fand, laut Kirchenbuch der Pfarre St. Nepomuk in Burgsteinfurt, dort am 22.1.1895 statt.
Das erste Kind, Theodor Waterkamp, wurde am 28.2.1895 geboren, er ist vermutlich 1915, im 1.WK 1914-1918, gefallen.
Fina Elbers starb am 20.12.1932.
Aus der Ehe von Fina Elbers mit Bernhard Waterkamp gingen zehn Kinder hervor, wobei die Tochter Margarete (Grete) * 28.5.1911 als letzte der gemeinsamen Kinder am 19.7.2005 starb.
Keines der Geburtsdaten der weiteren Kinder, Wilhelm 1895, Hermann 1897, Katharina 1899, lässt Rückschlüsse auf einen besonderen Gedenktag zu dem auf dem Wärmestein eingravierten Datum 19.1.1898 zu.
Weiterhin fällt auf, das nicht der Familienname sondern der Mädchenname eingraviert war, obwohl sie seit fünf Jahren den Familiennamen Waterkamp trug.
Der Kontakt zu den gleichnamigen noch lebenden Nachfahren der Fina Elbers erbrachte leider keine weiteren Hinweise auf diesen Wärmestein.
Erfreulicherweise erhielt ich einige Tage nach meiner Anfrage beim Heimatverein Burgsteinfurt die Nachricht, das dieser Wärmestein noch vorhanden ist und im Museumsbestand im Keller der Burgsteinfurter Schule am Bagno aufbewahrt wird!
Vergleicht man die beiden Fotos, das schwarz/weiße Foto aus 1970 und das Farbfoto von heute, ist eindeutig zu erkennen, das es sich um den gleichen Wärmestein handelt, der allerdings gebrochen war und wieder zusammen gefügt wurde.
 Aus der Draufsicht des Farbfotos ist zu erkennen, das an der Bruchstelle zwischen den Blattornamenten mit den Buchstaben „L“ und „B“, der Buchstabe „i“ verschwunden ist.
Im Vergleich zum s/w-Foto dürfte der zwischen den Blattornamenten mit den Buchstaben „E“ und „L“ zu sehende Buchstabe „F“ manipuliert worden sein, indem nachträglich der untere Strich am F eingeritzt wurde.
Das Farbfoto zeigt sehr deutlich die acht Blattornamente, wobei die beiden Ornamente vor dem Namen Elbers, Kreise mit einem Kreuz aufweisen.
Was bedeuten diese Zeichen?
 
 
Die Eingangs erwähnte Vermutung, das es sich um ein Verlobungs- oder
Aussteuergeschenk handeln könnte, dürfte wohl nicht zutreffen.

Oder sollen die beiden Kreise Verlobungs- oder Hochzeitsringe darstellen?

 

Die Auswertung des Farbfotos durch den hiesigen Bildhauer, Steinmetz und Restaurator Detlef Lorei ergab, das es sich bei dem Bruch um einen s.g. Rostbruch handelt, der an dem mit Blei ausgegossenen Stift des Halterings aufgetreten ist.
Die rötliche Färbung des Wärmesteins deutet darauf hin, das es sich wahrscheinlich um Gildehauser-Sandstein handelt, der seine helle Färbung durch Wärmeeinwirkung etwas ins rötliche verändert.
Er vermutet, das es sich bei den in den beiden Blattornamenten enthaltenen Kreise (siehe s/w-Foto) evtl. um keltische Kreuze handeln könnte.
Auch ist es zweifelhaft ob es sich wie angegeben um Wesersandstein handelt, da dieser eine mehr dunkelrote Farbtönung aufweist.
Die Nachfrage beim Sandsteinmuseum Bad Bentheim ob es sich um Material aus den dortigen Steinbrüchen handelt, wurde wie folgt beantwortet:

Im heutigen Stadtgebiet von Bad Bentheim wurde seit Jahrhunderten in den Gildehauser und Bentheimer Steinbrüchen (Kuhlen) Sandstein gebrochen.

Auch heute wird Bentheimer Sandstein noch abgebaut, und zwar Gildehaus, das politisch inzwischen zur Stadt Bad Bentheim gehört.

Bentheimer Sandstein ist ein fast reiner Quarzsandstein; er entstand vor rund 135 Millionen (Unterkreide) als Meeresablagerung. Er ist viel härter als der Baumberger Sandstein.

Bentheimer Sandstein wird seit rund 1000 Jahren abgebaut. Er fand und findet als Werk - Baustein vielfältige Verwendung. Es wurden z. B. Jahrhunderte lang Schleifsteine gefertigt; die älteste Erwähnung ist aus dem Jahre 1486 dokumentiert.

Möglicherweise wurden auch Steine als Wärmesteine gefertigt und genutzt. Darüber gibt es - wie bereits erwähnt - keinerlei dokumentarischen Hinweis. Bentheimer Sandstein und der Oberkirchener Sandstein ( Wesersandstein) sind sich sehr ähnlich, nicht nur in der Färbung. Eine eindeutige Zuordnung ist nur durch eine chemische Untersuchung zu erzielen.
Ein weiterer Hinweis, das es sich bei dem Wärmestein um Gildehauser/Bentheimer Sandstein handeln könnte, ergab sich aus einem bei ebay im Okt. 2013 angebotenen "Sandstein als Wärmestein" der mit dem Artikelstandort Bad Bentheim angeboten wurde.

WST_ebay
Der Angebotstext lautete: 
Hier handelt es sich um einen gemusterten Sandstein mit Eisenring aus den zwanzigern, (damit ist wohl 1920 gemeint!) der als Wärmestein gedient hat.
D= 26 cm, H= 3,5 cm,
er weisst an einer Seite leichte Ausbruchspuren auf!


Leider konnte der Wärmestein nicht ersteigert werden, die Nachfrage beim Verkäufer und beim Käufer ob es sich evtl. um ein Erbstück aus einer Bentheimer Familie handelt, verlief negativ.

Besonders interessant ist, das auf der Oberseite des Wärmesteins die gravierten Blattornamente mit dem Burgsteinfurter Wärmestein exakt übereinstimmen.
Ist das der Beweis dafür, das es sich um Gildehauser/Bentheimer Sandstein handelt?

Neben der Frage welcher Naturstein zur Herstellung des Wärmesteins verwendet wurde, wäre die Frage welcher Handwerker oder Künstler diesen Wärmestein hergestellt hat.
Dr. Eichler vom Baumberger Sandsteinmuseum führt zu meiner Anfrage u.a. folgendes aus:
Vom  Foto her würde ich urteilen, dass der Stein nicht Baumberger Sandstein ist, von der farbigen Bänderung her wäre Osning-Sandstein möglich, in diesem Fall wohl Gravenhorster oder Bevergerner Sandstein. Der Osningsandstein ist auf ganzer Länge des Teutoburger Waldes abgebaut worden und hat zumeist den Namen des lokalen Aufschlusses verliehen bekommen.
Hersteller dieser Steine waren m. E. durchwegs Steinmetze. Die geschwungene Schrift und die Ornamentik setzte schon eine entsprechende Berufsausbildung voraus.
Wie Sie ja wissen, wurden in Westfalen zum Wärmen durchwegs die mit heißem Wasser gefüllten Messingkruken verwendet.
Das Verwenden von Bettsteinen habe ich bislang auf zwei Faktoren zurückgeführt: Die leichte Verfügbarkeit eines Steinmaterials (also räumliche Nähe zu Steinbrüchen) und eine hohe Verbreitung des Steinmetzberufes vor Ort. Wo man einen Steinmetzen zum Nachbarn oder auch in der Familie hatte, kam man eher auf den Gedanken, aus Stein alles Mögliche zu machen, wo sonst anderes Material verwendet wurde. Wir haben hier auch zum Gebrauch in der Landwirtschaft Gewichte aus Baumberger Sandstein.

WST_VerspohlWärmesteine scheinen eine absolute Rarität zu sein. Das Sandsteinmuseum hat deren zwei, einen großen mit 30 cm Breite und etwa sechs Zentimter stark, der - wie die Inschrift deutlich macht -  mal ein Geschenk gewesen ist. Warum sonst lässt man damit einen Theodor hochleben?




WST_Vieth

Der schmucklose, 20 cm breite und 3 - 4 cm starke Wärmestein stammt aus einer Steinmetzfamilie.




Beide Steine sind aus unserem heimischen Baumberger Sandstein. Sollte der Burgsteinfurter Stein tatsächlich aus Wesersandstein gearbeitet sein, würde mich das wundern. Hier in der Region kann man mit Baumberger, mit Osningsandstein und mit Bentheimer Stein rechnen.
Aber wenn das nicht eindeutig nachweisbar ist, muss der Stein ja auch nicht Steinfurter Provenienz sein.

Aus den vorstehenden Ausführungen dürfte zu schließen sein, das der Wärmestein von einem Steinmetz hergestellt wurde, jedoch nicht zum allgemeinen Verkauf bestimmt war, sondern wie wir heute sagen würden als "Firmenpräsente" an Freunde, Verwandte, Bekannte und an gute Kunden verteilt wurde.

Bei der Spurensuche nach dem Burgsteinfurter Wärmestein wurde ein weiterer Wärmestein (Hof König) entdeckt, der vermutlich von einem aus Italien eingewanderten Terrazzoleger hergestellt wurde. Ob diese Wärmesteine als reguläre Produkte oder auch als "Präsente" hergestellt wurden, werden die weiteren Untersuchungen ergeben.

Heute erreichten uns folgende Literaturhinweise, deren Auswertungsergebnisse in Kürze eingefügt werden!

Bäuerliches Hauswesen und Tagewerk im alten Niedersachsen, Wilhelm Bomann, Erstausgabe 1927,
Quellen:

19.01.2014, Rev.7

[TEXT_http://koerper-waermespender.de/pages/spurensuche.php]